Eine Collage aus einer Zikkurrat (links, Luftaufnahme) und mehreren Siegelungen mit Motiven.

Konferenzen

Im Rahmen des KIŠIB-Vorhabens findet während seiner Laufzeit eine Reihe internationaler Konferenzen statt, die sich jeweils mit der Rolle von Siegeln und Siegelabdrücken beim Aufbau und der Aufrechterhaltung von Vertrauen sowohl auf zwischenmenschlicher als auch auf gesellschaftlicher Ebene im alten Westasien befassen.

Jede Konferenz bringt Fachleute für Altorientalistik mit KollegInnen aus verwandten Fachgebieten – darunter Geschichte, Sozialwissenschaften, Anthropologie, visuelle Kultur und Medienwissenschaften – zusammen, um zu untersuchen, wie die Praxis des Siegelns und die Gestaltung von Siegeln über verschiedene Epochen, Regionen und institutionelle Kontexte hinweg Vertrauen zwischen Vertragsparteien vermittelten. Die Konferenzen finden abwechselnd in München und Berlin statt und münden in peer-reviewed, Open-Access-Tagungsbände.

Erste KIŠIB-Konferenz 2026

Warum siegeln? Vom gesiegelten Ton zur sozialen Interaktion im alten Westasien

22.–24. Juli 2026 in der Bayerischen Akademie der Wissenschaften in München und online

Die erste KIŠIB Fachkonferenz wurde inspiriert von Edith Poradas Essay „Why cylinder seals?“ von 1993. Indem wir fragen: „Warum siegeln?“, möchten wir einerseits der Materialität von Versiegelungen und Siegelabrollungen auf den Grund gehen und andererseits die Aktionen und sozialen Netzwerke untersuchen, in die sie eingebettet waren. Damit adressieren wir Kernanliegen des KIŠIB-Vorhabens: Siegeln auf Ton als über Jahrtausende hinweg wirksame Kommunikationsstrategie zur ‚Besiegelung‘ zwischenmenschlicher Beziehungen, zur Herstellung von Besitzansprüchen, zur Etablierung gesellschaftlichen Vertrauens sowie zur Festsetzung von Autorität und Hierarchie. Um die komplexen Zusammenhänge zwischen Artefakten, Bildern und Inschriften sowie von Menschen, Dingen und Handlungen besser zu verstehen, benötigen wir Kompetenzen aus unterschiedlichen Fachperspektiven eines interdisziplinären Teilnehmerspektrums.

Anhand gesiegelter Behälter- oder Türverschlüsse lassen sich eigentumsbezogene Transaktionen schon lange vor den ersten Schriftzeugnissen in Mesopotamien nachvollziehen. Die Verwendung von Keilschrift ab dem späten 4. Jahrtausend ersetzte die Siegelpraxis nicht, sondern eröffnete zusätzliche Möglichkeiten interpersonale und institutionelle Zusammenhänge, waren- und besitzbezogene Transaktionen sowie autoritative Entscheidungen detailliert zu dokumentieren. Die materiellen Überreste dieser allgegenwärtigen Praktiken in Form von Versiegelungen und gesiegelten Tontafeln bieten enorm reichhaltige, aber auch schwer zu entschlüsselnde Einblicke in das damalige Denken und Handeln. Beziehungen und Botschaften konnten gleichermaßen in Text-, Bild-, oder Artefakt-Merkmale eingeschrieben und kodiert werden. Eine umfassende Auswertung erfordert daher eine kombinierte Analyse auf mehreren Ebenen: Materialität (was und wie wurde gesiegelt?), räumlicher Kontext (in welchem räumlichen Umfeld erfolgte das Siegeln und das Aufbrechen versiegelter Artefakte?), personale Zuordnung (welche Person oder Gruppe siegelte?), die soziale oder bürokratische Dimension (agierte das siegelnde Individuum für sich oder eine Institution, welche Vorgänge galt es zu legitimieren?) sowie last but not least das Siegelbild (welche Bedeutung hatte das verwendete Bildprogramm, welche bildsemiotischen Systeme kamen zur Anwendung?).

Auf dieser Konferenz werden archäologisch und philologisch arbeitende Expertinnen und Experten diesen Fragen nachgehen – auch, aber nicht nur, mit Hilfe digitaler Erschließungs- und Analysestrategien. So sollen die antiken Menschen, Normen und Handlungen, die hinter gesiegelten Artefakten, Siegelbildern und -inschriften stehen, sichtbar werden und dazu beitragen, vergangene mit gegenwärtigen Gesellschaften stärker zu verbinden.

Wir freuen uns auf einen möglichst regen Austausch und Diskussionen nicht nur zwischen den Rednerinnen und Rednern, sondern auch mit den Zuhörerinnen und Zuhörern, und laden vielmals dazu ein entweder leibhaftig nach München zu kommen oder virtuell teilzunehmen.

Programm

Das vorläufige Programm mit allen Referenten und Abstracts kann hier heruntergeladen werden.

Veranstaltungsort

Bayerische Akademie der Wissenschaften, Alfons-Goppel-Straße 11, 80539 München, Deutschland

Ein Raum mit Tischen in U-Form und blauen Stühlen. An der Wand hängen zwei Gemälde und ein Wandteppich.
Konferenzraum in der Bayerischen Akademie der Wissenschaften, München. Bildnachweis: Bayerische Akademie der Wissenschaften / S. Obermeier, Alle Rechte vorbehalten.

Wie kann man sich beteiligen?

Wir laden Sie herzlich zur Konferenz ein, die den Gedankenaustausch fördern und reichlich Zeit für Diskussionen bieten soll.

Die Konferenz findet vor Ort in München statt und wird zusätzlich online über Zoom übertragen. Wenn Sie teilnehmen möchten, melden Sie sich bitte bei Dr. Albert Dietz an und geben Sie dabei an, ob Sie persönlich oder online teilnehmen werden: Albert.Dietz@kishib.badw.de.

Alle angemeldeten TeilnehmerInnen erhalten einige Tage vor der Konferenz einen Link.