Vom Siegel zum Abdruck: Abrollung eines bildlichen Schatzes
Am 13. August traf sich das KIŠIB-Team mit Kollegen der Freien Universität Berlin, um antike mesopotamische Zylindersiegel auf ganz praktische Weise zu untersuchen: indem sie diese auf Modelliermasse abrollten und so eine neue Reihe von Abdrücken schufen.
Siegelabrollungen – eine alte Technik neu entdeckt
Es war ein ruhiger, aber konzentrierter Nachmittag am Institut für Vorderasiatische Archäologie der Freien Universität Berlin. Um einen Tisch herum beugten sich WissenschaftlerInnen aus Berlin und München über winzige Steinzylinder und drückten sie vorsichtig in weiches Fimo. Während die Siegel über die Oberfläche rollten, erwachten filigrane Bilder zum Leben – Reihen von Betern, göttliche Symbole und Fabelwesen. Für einen kurzen Moment versetzten wir uns in die Lage der Menschen im alten Mesopotamien, die diese Gegenstände einst dazu nutzten, Dokumente zu versiegeln und ihren Besitz zu kennzeichnen.

Die Sammlung des Instituts umfasst 161 originale Zylindersiegel aus dem 4. bis 1. Jahrtausend v.u.Z. Sie stammen aus dem Irak, Syrien und der Türkei und wurden 1967 aus der Privatsammlung Erwin Oppenländers erworben. Seitdem werden sie in der Lehre eingesetzt und haben Generationen von Studierenden in die Kunst und Praxis des Siegelns eingeführt.
Eine kleine Sammlung von Eindrücken für Forschung und Lehre
Der Workshop hat mehr bewirkt, als nur eine alte Praxis wiederzubeleben. Er hat eine kleine Sammlung neuer Eindrücke hervorgebracht, die nun sowohl für die Lehre als auch für die Forschung zur Verfügung steht. Für das KIŠIB-Vorhaben sind diese Eindrücke ein wichtiger Schritt zur Erforschung der Siegelikonografie und der Inschriften, ohne dass die Originale wiederholt angefasst werden müssen.
Die Oppenländer-Sammlung selbst wurde erstmals 1968 von Ursula Moortgat-Correns veröffentlicht (Baghdader Mitteilungen 4, 233–97). Durch die Zusammenführung dieses Katalogs mit dem neuen Material und der anschließenden digitalen Dokumentation schaffen wir die Grundlage für eine umfassendere Quelle, die die bisherige Wissenschaft mit der heutigen Forschung verbindet.
Was als ruhiger Nachmittag in Berlin begann, hat sich somit zu einer spannenden Begegnung mit einer der faszinierendsten Objektarten des alten Westasiens entwickelt: dem Zylindersiegel.
